
Was ist der Marburger Bund?
Der Marburger Bund (MB) ist die weltweit größte Ärztevereinigung und Deutschlands einzige Ärztegewerkschaft. Gegründet wurde der Verband 1947 in Marburg, Hessen, und hat sich seitdem als eine bedeutende Interessenvertretung der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland etabliert. Mit über 140.000 Mitgliedern setzt sich der Marburger Bund für die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der Ärztinnen und Ärzte ein. Er verhandelt Tarifverträge und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen in den Kliniken ein. Außerdem stehen die Themen qualitätsorientierte Aus- und Weiterbildung sowie bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Fokus des Marburger Bunds.
Der Marburger Bund besteht aus einem Bundesverband, der neben der allgemeinen Koordination auch die Tarifpolitik sowie Presse und Öffentlichkeitsarbeit übernimmt. Darunter sind 14 Landesverbände angehängt, die neben der Mitgliederbetreuung auch eine juristische Beratung anbieten sowie die Interessen der Mitglieder auf Landesebene vertreten.
Aufgaben, Funktionen und Ziele Marburger Bund
- Tarifpolitik und Tarifverhandlungen: Der Marburger Bund ist die einzige Gewerkschaft, die Tarifverhandlungen ausschließlich für Ärztinnen und Ärzte führt. Durch den Abschluss von Tarifverträgen in öffentlichen, kommunalen und privaten Krankenhäusern sorgt der Verband dafür, dass faire Arbeitsbedingungen, angemessene Gehälter und gerechte Arbeitszeitregelungen für seine Mitglieder durchgesetzt werden. Die Tarifverträge des Marburger Bundes legen beispielsweise Gehaltsstrukturen, Zuschläge für Nacht- und Bereitschaftsdienste sowie Urlaubsansprüche fest. Außerdem sollen personalpolitische Maßnahmen zu weniger Überstunden und flexiblerer Arbeitszeitgestaltung (z. B. Teilzeittätigkeit) führen.
- Berufspolitische Interessenvertretung: Der Marburger Bund setzt sich für die Verbesserung der beruflichen Rahmenbedingungen der Ärztinnen und Ärzte ein. Dazu gehören Maßnahmen zur Entbürokratisierung des Gesundheitswesens, die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Der Verband engagiert sich auch in der Gesundheitspolitik, um Einfluss auf gesetzliche Regelungen auszuüben, die die ärztliche Berufsausübung betreffen. Weiteres Ziel ist es, für Ärztinnen und Ärzte künftig unbefristete Arbeitsverträge zu erwirken und so für mehr Planbarkeit und Sicherheit zu sorgen – sowohl aus Arbeitnehmersicht als auch hinsichtlich der Qualität der Patientenversorgung.
- Rechtsberatung und Rechtsschutz: Mitglieder des Marburger Bundes haben Anspruch auf rechtliche Beratung und Unterstützung in arbeitsrechtlichen Fragen. Dies umfasst Hilfe bei Konflikten mit dem Arbeitgeber, Fragen zu Arbeitsverträgen, Kündigungsschutz und sonstigen arbeitsrechtlichen Angelegenheiten. Bei Bedarf kann auch rechtlicher Beistand vor Gericht gewährt werden.
- Fort- und Weiterbildungsförderung: Der Verband bietet Informationen und Unterstützung zur Fort- und Weiterbildung. Er informiert über aktuelle Entwicklungen in der ärztlichen Weiterbildung, wie etwa neue Weiterbildungsordnungen oder gesetzliche Änderungen. Der Marburger Bund setzt sich zudem für eine moderne und praxisnahe Weiterbildung ein und fordert eine ausreichende finanzielle Unterstützung der Weiterbildungseinrichtungen. Weiterbildung soll weniger bürokratisch werden und somit schneller und einfacher umsetzbar.
- Gesundheitspolitische Mitgestaltung: Der Marburger Bund nimmt aktiv an gesundheitspolitischen Diskussionen teil und erarbeitet Vorschläge zur Verbesserung des deutschen Gesundheitswesens. Dazu gehören Forderungen nach mehr Personal in Kliniken, einer besseren Finanzierung des Gesundheitssektors und Maßnahmen zur Bekämpfung des Ärztemangels, insbesondere in ländlichen Regionen. Der Bund setzt sich ein für die Erhaltung der Niederlassungsfreiheit für Kassenärzte
Vor- und Nachteile einer Mitgliedschaft
Vorteile einer Mitgliedschaft
- Arbeitsrechtliche Beratung: mehr als 55 JuristInnen beraten rund um das Thema Arbeitsrecht (Vertragsprüfung, Musterverträge, Elternzeit, Rufbereitschaft, Dienste, Arbeitszeiten, Auslandsberatung, Prozessvertretung).
- Interessenvertretung: Mit über 140.000 Mitgliedern setzt sich der Marburger Bund für die Interessen seiner Mitglieder ein, verhandelt Tarifverträge und setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen ein.
- Informationsfluss: Über verschiedene Medien sorgt der Marburger Bund für einen kontinuierlichen Informationsfluss, egal ob als Printmedium, Newsletter oder auf Social Media.
- Weiterbildung: Als Marburger Bund Mitglied profitiert man von vergünstigen Zugängen zu Weiterbildungsangeboten, wie z. B. med-update oder dem AMBOSS Sorglos-Abo. Außerdem bietet der Verbund eine Vielzahl von internen Seminaren an.
- Vergünstigungen bei Versicherungen und Banken: Über die Kooperationspartner Allianz, Deutsche Ärzteversicherung (DÄV) und die apoBank haben Mitglieder des Marburger Bunds Zugang zu Sonderkonditionen in den Bereichen PKV, Berufshaftpflicht, Berufsunfähigkeit, Regressschutz, etc. Ob das immer sinnvoll und wirklich vorteilhaft ist, kannst du gerne in unserem Blogartikel „Mitgliedschaft Marburger Bund sinnvoll„ nachlesen.
Nachteile einer Mitgliedschaft
- Mitgliedsbeiträge: In einigen Landesverbänden greift der Marburger Bund ziemlich tief in die Taschen seiner Mitglieder. Ob das immer im Verhältnis zu den Leistungen und Vorteilen steht, sollte persönlich abgewogen werden. Eine Mitgliedschaft nur aufgrund der vermeintlichen Sonderkonditionen im Versicherungsbereich lohnt sich in den meisten Fällen übrigens nicht.
- Tarifverträge nicht überall gültig: Während der Marburger Bund erfolgreich Tarifverträge in vielen Krankenhäusern verhandelt, sind diese nicht immer flächendeckend oder in allen Krankenhäusern gültig. In solchen Fällen gelten möglicherweise andere Tarifvereinbarungen, die von den Vereinbarungen des MB abweichen.
- Fokus auf angestellte Ärzte: Der Marburger Bund richtet sich primär an angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte. Niedergelassene Ärzte oder Ärztinnen in freiberuflicher Praxis haben möglicherweise weniger Vorteile von einer Mitgliedschaft, da die Interessen dieser Gruppen seltener im Fokus der Verbandsarbeit stehen.
- Fehlende Flexibilität bei Versicherungen/Banken: Zwar kannst du als Marburger Bund Mitglied auf Sonderkonditionen in manchen Versicherungsbereichen und bei der apoBank profitieren, allerdings fehlt hier die notwendige Flexibilität, da du an diesen einen Kooperationspartner des MB gebunden bist. Bei manchen Verträgen mag das nebensächlich sein, bei einer so individuellen Absicherung wie der Berufsunfähigkeit kannst du aber entscheidende Nachteile haben. Denn auch, wenn die Gesellschaft den Namen „Deutsche Ärzteversicherung“ trägt, ist sie nicht für jeden Arzt gleichermaßen gut geeignet.
Wer kann Mitglied werden?
Grundsätzlich können alle ausgebildeten Ärzte (Humanmediziner) Mitglied im Marburger Bund werden. Auch Medizinstudenten können kostenfreies Mitglied im Marburger Bund sein.
Da eine Hauptaufgabe des Marburger Bundes die Verhandlung der Tarifverträge sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für angestellte ÄrztInnen ist, richtet sich der Bund primär auch an die Zielgruppe der angestellten Ärzte und diejenigen, die es perspektivisch bald werden (Medizinstudenten).
Dennoch können niedergelassene Ärzte Mitglied im Marburger Bund sein. Gleiches gilt für nicht berufstätige Ärzte (z. B. Rentner) und Honorarärzte. Auch bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt kann die Mitgliedschaft bestehen bleiben.
In einigen Landesverbänden können auch Biologen, Psychologen und andere Berufsgruppen von einer Mitgliedschaft profitieren.
Beiträge Marburger Bund
Die Beiträge für eine Mitgliedschaft im Marburger Bund hängen primär vom jeweiligen Landesverband ab. Außerdem gibt es in einigen Landesverbänden verschiedene Beitragsstufen, je nach Karrierestufe. In manchen Landesverbänden zahlen fertig ausgebildete Ärzte den gleichen Beitrag, in anderen Verbänden zahlen Fach- und Oberärzte unterschiedliche Beiträge. Niedergelassene Ärzte (die grundsätzlich nicht primär Zielgruppe des Marburger Bundes sind) zahlen in der Regel einen reduzierten jährlichen Beitrag. Schließlich sind diese weder Tarifgebunden, noch profitieren sie von besseren Arbeitszeiten.
Medizinstudenten werden in allen Landesverbänden kostenfrei Mitglied im Marburger Bund.
| Landesverband | Jahresbeitrag Assistenzärzte Marburger Bund Landesverbände 2024 | Jahresbeitrag Chefärzte Marburger Bund Landesverbände 2024 |
| Baden-Württemberg | 174 Euro | 216 Euro |
| Bayern | 204 Euro | 306 Euro |
| Berlin-Brandenburg | 192 Euro | 288 Euro |
| Bremen | 195 Euro | 250 Euro |
| Hamburg | 180 Euro | 255 Euro |
| Hessen | 222 Euro | 312 Euro |
| Mecklenburg-Vorpommern | 195 Euro | 285 Euro |
| Niedersachsen | 168 Euro | 216 Euro |
| NRW-Rheinland-Pfalz | 228 Euro | 228 Euro |
| Saarland | 200 Euro | 275 Euro |
| Sachsen | 156 Euro (1.-3. Jahr, danach 240 Euro) | 360 Euro |
| Sachsen-Anhalt | 200 Euro | 200 Euro |
| Schleswig-Holstein | 150 Euro (1-3. Jahr, danach 175 Euro) | 240 Euro |
| Thüringen | 222 Euro | 262 Euro |
Mitglied werden – Mitgliedschaft kündigen
Um Mitglied im Marburger Bund zu werden, kannst du dich Online auf der Seite des Marburger Bundes registrieren. Du wirst dann automatisch ordentliches Mitglied im Bundesverband sowie in dem für dich zuständigen Landesverband. Die Beiträge werden über deinen Landesverband erhoben.
Solltest du im Laufe der Mitgliedschaft in die ärztliche Niederlassung gehen, wirst du zum neuen Geschäftsjahr außerordentliches Mitglied und hast damit kein Wahlrecht mehr.
Möchtest du die Marburger Bund Mitgliedschaft kündigen, kannst du dies schriftlich zum Ende eines Kalenderjahres tun.
Abgrenzung Hartmannbund
Der Hartmannbund wurde bereits 1900 gegründet und ist eine traditionsreiche Ärzteorganisation, die sich für die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen aller Ärztinnen und Ärzte einsetzt. Er ist kein Gewerkschaftsverband wie der Marburger Bund, sondern ein klassischer Berufsverband, der auf die breite Interessenvertretung der Ärzteschaft abzielt. Er ist damit nicht tariffähig und kann keine Tarifverträge verhandeln. Auch ein Streikrecht für die Mitglieder besteht dadurch nicht.
Im Gegensatz zum Marburger Bund vertritt der Hartmannbund die Interessen aller Ärzte. Somit profitieren auch niedergelassene Ärzte von einer Mitgliedschaft, z. B. durch eine Beratung bei der Niederlassung und Praxisführung.
Davon abgesehen sind die Ziele und Aufgaben beider Verbände relativ deckungsgleich: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, rechtliche Beratung für Mitglieder, Verbesserung der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, …
Fazit
Der Marburger Bund spielt eine zentrale Rolle im deutschen Gesundheitswesen und ist eine wichtige Interessenvertretung für angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte. Er bietet umfassende Unterstützung in tarifpolitischen, rechtlichen und berufspolitischen Belangen, und eine Mitgliedschaft kann zu besseren Arbeitsbedingungen und Gehältern beitragen. Dennoch ist es wichtig, die potenziellen Nachteile, wie die Mitgliedsbeiträge oder die Fokussierung auf bestimmte Gruppen von Ärzten, zu berücksichtigen. Als niedergelassener Arzt empfiehlt sich die Auseinandersetzung mit einer Mitgliedschaft im Hartmannbund, da dieser die Interessen seiner Mitglieder unabhängig von der Anstellungsform vertritt.